Kennen Sie noch Karius und Baktus? Die zwei „Zahnteufelchen“, von denen wir als Kinder geglaubt haben, sie bohren Löcher ins unsere Zähne, wenn wir zu viele Süßigkeiten gegessen haben? Was Zahnpflege bei Kindern angeht, war dieses Buch jahrzehntelang das einzige auf dem deutschen Markt. Ein wirkliches Bewusstsein dafür entstand erst so richtig in den 90er Jahren und damit kam auch der Zucker nicht gut weg: er macht dick, fördert Karies und treibt den Blutzuckerspiegel in die Höhe – verzichten wollen wir aber trotzdem nicht auf ihn. Inzwischen gibt es viele Zuckeralternativen, die versprechen die Zähne zu schonen oder kalorienarm zu sein. Wann lohnt es sich sie zu nutzen und sind sie wirklich gesünder? Welcher „Zuckertyp“ sind Sie?

Apfel und Donut Vergleich

Der natürliche Zuckertyp

„Chemische Stoffe kommen bei mir nicht ins Essen!“ Immer mehr Verbraucher entscheiden sich für Lebensmittel, die weniger verarbeitet sind. Zu Süßungsmitteln ohne chemische Herstellungsprozesse zählen unter anderem…

Honig
Die Griechen schätzten den Honig als Heil- und Schönheitsmittel. Auch heute wird er gerne als Hausmittel bei Erkältungen verwendet. Spezieller Honig, wie der Manuka-Honig, wird in der Medizin als Heilmittel eingesetzt. Die Studienlage zum handelsüblichen Honig und seiner gesundheitlichen Wirkung bleibt schwierig. Es spricht jedoch nichts gegen Ausprobieren. Honig enthält im Gegensatz zu Zucker bestimmte Enzyme, organische Säuren und Aromastoffe. Je nach Qualität und Sorte schwankt die Zusammensetzung des Honigs. Vitamine und Mineralstoffe leisten in den geringen Verzehrmengen keinen nennenswerten Beitrag zur täglichen Bedarfsdeckung. Die Kalorienmenge ist leicht geringer als beim weißen Zucker.

Zuckerrübensirup
Mich versetzt das „Rübenkraut“ zurück in meine Kindheit. Frische Eierpfannkuchen mit Sirup, von meiner Oma zubereitet – mein absolutes Lieblingsessen als Kind. Rübensirup punktet mit seinem würzigen Geschmack und bringt Eisen, Magnesium und Folsäure mit sich. Wir sprechen auch hier von geringen Mengen die über das Süßen aufgenommen werden. Sirup fördert Karies genauso wie normaler Zucker, die Kalorien sind im Vergleich jedoch weniger (Zucker: ca. 400 kcal / 100 g; Zuckerrübensirup ca. 300 kcal / 100 g).

Kokosblütenzucker
Kokosblütenzucker ist dem weißen Zucker bzgl. Süßkraft und Kalorien sehr ähnlich. Mühsam hergestellt aus dem Nektar der Kokospalme wird die Streusüße gewonnen. Der hohe Aufwand spiegelt sich auch im hohen Preis des Kokosblütenzuckers wieder. Geschmacklich glänzt er mit karamellartiger, malziger Note. Ihm wird nachgesagt den Blutzuckerspiegel nicht so schnell ansteigen zu lassen, allerdings wird dieser Punkt derzeit noch diskutiert. Als großen Nachteil sehe ich den langen Transportweg, den es zu überwinden gibt. Heimische Produkte gibt es auf dem Markt leider keine.

Fruchtdicksäfte
Früchte sind bekannterweise gesund… Doch trifft das auch auf den Fruchtdicksaft zu? Sie entstehen aus Fruchtsäften, die erhitzt und einreduziert werden. Dadurch entsteht ein sirupähnlicher fruchtig-süßer Saft. Der Geschmack ist je nach Fruchtsorte verschieden. Für 1l Fruchtdicksaft werden bis zu 10 l Fruchtsaft benötigt. Die Süßkraft ist im Endprodukt nicht so stark wie beim Zucker. Vitamine und Mineralstoffe sind wie im Fruchtsaft noch enthalten, allerdings in geringer Menge. Beispielsweise enthält ein Esslöffel Birnendicksaft um die 2 mg Vitamin C (ca. 2% der täglich empfohlenen Zufuhr für Erwachsene).

Reissirup
Sucht man eine Süßungsmethode mit sehr wenig Fruktoseanteil, ist Reissirup eine mögliche Alternative. Die Süßkraft ist etwas geringer als beim Zucker. Geschmacklich weist Reissirup eine feine nussige Note auf. In veganen Rezepten findet er oft Verwendung.

Der kalorienbewusste Zuckertyp

„Ich liebe süße Speisen, wenn da nicht die vielen Kalorien wären.“ Gerade beim Abnehmen bevorzugen viele die kalorienarmen Alternativen. Doch auch dort gibt es Unterschiede…

Süßstoffe
Süßstoffe sind überwiegend synthetischen Ursprungs und um ein Vielfaches süßer als der Haushaltszucker. Daher benötigt man davon nur kleine Mengen. Allerdings bringen Süßstoffe keine Masse in die Speisen, was das Backen schwierig macht. Erkennen können Sie Süßstoffe an der sogenannte E-Nummer, die in der Zutatenliste zu finden ist. Süßstoffe enthalten so gut wie keine Kalorien, beeinflussen den Blutzuckerspiegel nicht nennenswert und wirken nicht kariesfördernd.Laut Bundesinstitut für Risikobewertung sind die in der EU zugelassenen Süßstoffe unbedenklich, solange man die Beschränkung der Höchstmenge einhält. Aussagekräftige wissenschaftlich belegte Langzeitstudien fehlen bisher. Eine Gewichtszunahme bei langfristiger Verwendung wird derzeit stark diskutiert. Auch ein Gewöhnungseffekt an die starke Süße ist ein Faktor der berücksichtigt werden sollte.

Zuckeraustauschstoffe/Zuckeralkohole
Nein hier geht es nicht um alkoholische Getränke. Der Name stammt vom chemischen Aufbau von Xylit, Sorbit und Co. Der Verzehr von zu großen Mengen der Zuckeralkohole kann eine abführende Wirkung haben. Bei Beachtung der Toleranzwerte können sie aber eine zahnfreundliche Alternative zum Süßen sein. Im Gegensatz zu Süßstoffen gelten Zuckeralkohole nicht als kalorienfrei und liegen unter der Süßkraft von Haushaltszucker. Man kann mit 200-300 Kalorien pro 100 Gramm rechnen. Eine Ausnahme bildet Erythrit, welches als kalorienfrei gilt. Durch seinen stark kühlenden Effekt findet man Erythrit oft in Kaugummis und Pfefferminzbonbons.

Der Sonderling

Stevia(glycoside)
Stevia ist der Sonderling unter den Süßstoffen. Diejenigen die glauben, hierbei handelt es sich um ein natürliches Süßungsmittel, werde ich nun enttäuschen. Von der ursprünglichen Pflanze bleibt nach dem komplexen chemischen Verfahren nicht mehr viel „Natürliches“ übrig. Somit ist es ein chemisch gewonnener Süßstoff, der als Flüssigsüße, Streusüße oder in Tablettenform verwendet werden kann. Wen ein leichter lakritzähnlicher Nachgeschmack nicht stört, kann die 200-300-fache Süßkraft für Speisen und Getränke nutzen. Stevia ist mit unter 10 Kalorien pro 100 g so gut wie kalorienfrei und kann den Zähnen nichts anhaben. Aufgrund des speziellen Geschmacks mischt man Stevia oft anderen Süßungsmitteln bei. Hier lohnt ein Blick auf die Zutatenliste.

Fazit

Die Auswahl an Alternativprodukten zum üblichen weißen Zucker ist groß und wird womöglich noch größer. Zum gesundheitlichen Nutzen und möglichen Nachteilen wird außerdem ständig weitergeforscht. Die Alternativprodukte bieten uns ein Spektrum an Variationsmöglichkeiten. Das hält unsere Ernährung abwechslungsreich. Jeder muss für sich entscheiden, welche Anforderungen er an das Produkt stellt. Möchte ich Kalorien einsparen, Speisen einen anderen Geschmack geben oder die Zähne vor Karies schützen? Jedes Produkt hat seine eigenen Vor-und Nachteile. Das „perfekte“ Süßungsmittel gibt es also nicht. Viel wichtiger ist es, den Körper nicht zu stark an das Süße zu gewöhnen bzw. ihn wieder zu entwöhnen. Daher sollte man den gesamten Konsum überdenken und reduzieren anstatt sich auf die einzelnen „Vorzüge“ der Zuckeralternativen zu beschränken. So können wir dem Körper am meisten Gutes tun.

 

Wie ist es bei Ihnen, benutzen Sie die hier aufgeführten Süßungsmittel? Was haben Sie für Erfahrungen gemacht?
 
 

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