Unsere Gesundheit ist unser höchstes Gut. Auf sie zu achten und für sie zu sorgen, ist die Grundlage für unser Wohlbefinden. Dazu können wir Sport treiben, ausreichend schlafen – und uns selbstverständlich gesund ernähren. Welche Lebensmittel uns guttun, welche vermeintlich gesunden Leckereien gar nicht so gesund sind und welche Inhaltsstoffe in unserem Essen enthalten sind, ist oft gar nicht so leicht zu erkennen. Genau das soll sich nun ändern, eine ausgewogene und gesunde Ernährung soll für den Verbraucher einfacher zu erkennen sein und schneller zugänglich gemacht werden. Am 9. Oktober gab es vom Bundesrat deshalb grünes Licht für den Nutri-Score.

großer Zierkürbis mit Herbstblättern vor türkisfarbenem Hintergrund

Nach jahrelangen Diskussion mit vielen unterschiedlichen Interessen gab es zwischen Gesundheitsexperten, Verbraucherschützern und der Industrie endlich einen Kompromiss, der vor allem eines zum Ziel hat: Den Verbraucher beim Einkaufen unterstützen, indem ihm das Vergleichen zwischen den Produkten einer Produktgruppe hinsichtlich der Nährwertqualität erleichtert wird.

Was ist der Nutri-Score und welchen Zweck erfüllt er?

Der Nutri-Score ist eine Nährwertkennzeichnung, die Lebensmittel je nach Zusammensetzung ihrer Inhaltsstoffe und ihres Energiegehalts in eine fünfstufige Farb- und Buchstabenskala einteilt. Diese Skala befindet sich auf der Vorderseite der Verpackung. Der Vorteil: Für den Verbraucher geht es nun einfacher und schneller, ähnliche Produkte – etwa einen vergleichbaren Joghurt von zwei verschiedenen Marken – miteinander zu vergleichen.
Die Nährwertqualität ist dank der Kennzeichnung auf den ersten Blick ersichtlich und die umständliche Suche auf der Rückseite der Verpackung bleibt dem Verbraucher auf diesem Weg erspart.

Allerdings hat diese Form der Lebensmittelampel auch Grenzen: Denn wer sich zum Beispiel zuckerfrei, kohlenhydratarm oder fettreduziert ernähren und ganz genau über die Zusammensetzung eines Lebensmittels Bescheid wissen möchte, dem hilft nur der Blick auf die detaillierte Nährwerttabelle. Der Nutri-Score listet die einzelnen Nähr- und Inhaltsstoffe nicht auf.

 

Mango-Kraeuter-Eiskugeln im Waffelbecher mit Minze dekoriert

Auf welchen Lebensmitteln findet man den Nutri-Score?

Angewendet wird die Lebensmittelampel ausschließlich für verarbeitete Lebensmittel, die bei der Berechnung in vier weitere Produktgruppen – Getränke, Käse, Lebensmittel allgemein sowie Fette beziehungsweise Öle – aufgeteilt werden. Ausgenommen aus der Berechnung sind verarbeitete Lebensmittel wie lose Waren, Kräuter, Gewürze und Thekenware. Auch spezielle Produkte wie Säuglingsnahrung werden nicht mit der Nutri-Score-Kennzeichnung ausgewiesen. Der Grund ist die spezielle Nährstoffzusammensetzung dieser Lebensmittel.

Wie erfolgt die Berechnung und die Einteilung in die Skala?

Die Berechnung des Nutri-Scores erfolgt auf 100-Gramm-Basis. Je geringer die Gesamtpunktzahl eines Produkts ist, desto besser wird es auf der Skala bewertet. Dabei werden durch gesunde Inhaltsstoffe – Ballaststoffe, Eiweiße, Obst, Gemüse, ausgewählte Öle sowie Hülsenfrüchte und Nüsse – Punkte abgezogen. Bei Zucker, gesättigten Fettsäuren oder Salzen – also eher ungesunden Inhaltsstoffen – werden hingegen Punkte hinzugefügt. Ein Ampelsystem kennzeichnet anschließend die jeweilige Klasse: Ein dunkelgrünes A weist dabei auf die beste und gesündeste Zusammensetzung der Inhaltsstoffe hin. Ein hellgrünes B, ein gelbes C und ein orangenes D sind die weiteren Abstufungen. Das rote E steht für die ungünstigste Nährwertqualität.

 

Wie ist die Lebensmittelampel zu bewerten?

Eins vorweg: Der Nutri-Score ist ein Schritt in die richtige Richtung. Er ermöglicht es dem Verbraucher, Produkte einer Produktgruppe schnell und einfach zu vergleichen, sodass er sich bewusst für die ernährungsphysiologisch günstigere Variante entscheiden kann. So ist der Nutri-Score in jedem Fall in der Lage, das Bewusstsein für qualitativ gute Ernährung zu steigern.

Aber: Er ist kein Ersatz für einen Ernährungsplan! So trifft die Ampel beispielsweise keine Aussagen über den Gesundheitswert von einzelnen Lebensmitteln und die Ausgewogenheit der Ernährung. Das heißt: Wer etwa ausschließlich Produkte der Kategorie A verzehrt, ernährt sich deshalb noch lange nicht gesund und ausgewogen. Für den Verbraucher ist es außerdem nicht immer möglich, den Nutri-Score selbst zu berechnen, wenn er auf einem Produkt mal nicht drauf ist. Denn nicht alle Lebensmittelbestandteile, die in die Berechnung einfließen, stehen auf der Verpackung.

Ein Kritikpunkt, der auch in der Öffentlichkeit immer wieder geäußert wurde, ist die Freiwilligkeit des Nutri-Scores: Die Hersteller sind nicht verpflichtet, die Lebensmittelampel auf die Verpackungen zu drucken. Wenn sie sich allerdings dafür entscheiden, muss die Skala auf allen Lebensmitteln eines Herstellers abgebildet sein. So wird verhindert, dass sich die gesündesten Produkte „rausgepickt“ und die weniger gesunden nicht mit der Ampel versehen werden.

Und wie wird der Nutri-Score angenommen? Im November 2020 haben sich laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft 58 Unternehmen für die Kennzeichnung registrieren lassen. Zur Einordnung: 2019 gab es in Deutschland insgesamt 6.123 Betriebe in der Herstellung von Lebensmitteln und Getränken. Es bleibt also noch reichlich Luft nach oben!

Der erste Schritt ist getan. Nun liegt es auch an den Herstellern, für mehr Transparenz beim Einkaufen zu sorgen.

Weitere Infos finden Sie auf der Website: www.nutri-score.de

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